Mission ist verboten
Konversion wird mit dem Tod bestraft
Bei mehreren Reisen in den Iran im Jahr 1982 lernte Jochen Langer, Mitglied des Arbeitsausschusses "Religionsfreiheit" der IGFM die bedrückende Situation des Landes unter Khomeini während des Irak-Krieges (1980-1988) kennen. Im Oktober 2004 kehrte er als Teilnehmer einer Gruppenreise mit Pfarrer Hans Hammer dorthin zurück. Bei dieser Reise erlebte Jochen Langer wesentliche Veränderungen. Wir veröffentlichen nachstehend Auszüge aus seinem Bericht:
"In der Khomeini-Zeit war die Personenkontrolle auf dem Flughafen unmenschlich, Musik war in der Öffentlichkeit - selbst bei Hochzeiten im Hotel - verboten und auch Männer mussten sich auf der Straße mit geschlossenem Kragen- und Ärmelknopf nach den Vorschriften kleiden. Jetzt sieht man keine Sittenpolizei mehr in den Straßen, Frauen tragen die vorgeschriebenen Kopftücher häufig sehr modisch und sind nur selten total verschleiert. Auch Jugendliche beiden Geschlechtes laufen auf öffentlichen Plätzen gemeinsam nach Musik Rollschuh. Christliche Frauen dürfen, auch wenn sie nicht konvertieren, von muslimischen Männern geheiratet werden. Umgekehrt aber dürfen Musliminnen keine Ehe mit einem Christen eingehen. Konversion wird im Iran mit dem Tode bestraft.
Seit 1632 gibt es im Iran nur eine römisch-katholische Diözese mit derzeit etwa 3000 meist ausländischen Gläubigen, deren Erzbischof ein italienischer Salesianer-Pater ist. Mit ihm konnte ich ausführliche Gespräche führen. Auch der Nuntius ist Italiener. Zwar können die sechs katholischen Priester im Iran ihre Gottesdienste öffentlich feiern und ihre Gemeindemitglieder innerhalb festgelegter Grenzen betreuen, aber sie fühlen sich ständig überwacht. Pfarrer Hammer war bis 1982 als bisher letzter deutscher katholischer Priester im Iran tätig.
Nur Ethik an deutscher Schule
Seit etwa einem Jahr ist Karl Jakobi als deutscher Pfarrer für alle evangelischen Deutschen im Iran tätig. Er lebt mit seiner Frau sowie seinen fünf Kindern in Teheran. An der Deutschen Schule in Teheran, die 130 Schüler umfasst, darf er nur Ethik, nicht aber Religion, unterrichten. 40 Schüler sind Kinder von Diplomaten oder Wirtschaftsvertretern und 90 Schüler entstammen Mischehen deutscher Frauen. Kinder, deren Eltern keine Deutschen sind, können nicht in die Deutsche Schule aufgenommen werden. Auch das Goethe-Institut ist seit der islamischen Revolution geschlossen.
Im Jahre 1979 gab es noch 40.000 chaldäische Christen, jetzt sind es 6.000. Die Armenier stellen mit rund 75.000 Angehörigen die größte christliche Gruppe und unterhalten Schulen, Vereine sowie eine eigene Tageszeitung. Unter den 209 Abgeordneten im Parlament sind zwei Armenier, ein Chaldäer, ein Jude und ein Zoroastrier. Die Zoroastrier sind Gläubige einer staatlich anerkannten Religion, die etwa 2600 Jahre alt ist. Der Reisebegleiter vermutete 30.000 Zoroastrier im Iran. Nach anderen Angaben sind es 120.000. Früher wurden die Toten der Zoroastrier in "Türmen des Schweigens" bestattet. Seit dies 1970 verboten wurde, ruhen sie in Betonkästen, da Erde, Feuer, Wasser und Luft den Zoroastriern als heilig gelten und nicht verschmutzt werden dürfen. Der Islam verbindet die Iraner mit den Arabern nur schwach. Der Glaube, den sie nicht mehr hergeben wollen, wurde ihnen von Arabern aufgezwungen und der Streit mit ihnen ist nie erloschen. Auch der Krieg von 1980-1988 mit dem Irak ist bis heute unvergessen. Selbst junge Männer, die in Zwiegesprächen auf der Straße über das politische System schimpften, weil es ihnen die Freiheit raubt, würden den Iran sofort gegen die Araber verteidigen.
Das Zusammenleben mit den alten nichtislamischen Religionen scheint für die Bevölkerung unproblematisch. Das Verbot jeglichen Missionierens wird offensichtlich akzeptiert. Obwohl Muslime im Iran unter Strafe keine Kirche betreten dürfen, blieben beide iranischen Reiseführer interessiert in der katholischen Messe der Reisegruppe in der Kirche in Isfahan. Ein Tabuthema bleibt die Religionsgemeinschaft der Bahai, die zwar im 19. Jahrhundert im Iran entstand, aber seitdem wegen Abkehr vom Islam als verboten gilt. Wegen ihres Bahai-Glaubens wurden seit der Revolution 1979 über 200 Personen hingerichtet und Hunderte eingesperrt."











