Würdigung der Arbeit von Hanif Mazrooie (Norooz)


Laudatio von Prof. Dr. Wolfgang Schöhl, Medienwissenschaftler

 

IGFM-Medienpreis 2009

Berlin, 03. Dezember 2009

 

 

 

Laudator Prof. Dr. Wolfgang Schöhl 

Foto: © IGFM, Marco Urban

Hanif Mazrooie (r.) ist Preisträger des IGFM-Medienpreises 2009 in der Kategorie "Persischsprache Medien" 

Foto: © IGFM, Marco Urban

Screenshot von der Internet-Seite der Nooroz-Onlinezeitung 

Preisträger des IGFM-Medienpreises 2009 in der Kategorie "Persischsprache Medien" ist der Chefredakteur der reformorientierten Zeitung Norooz (persisch: "Neujahr"), Hanif Mazrooie, wegen seiner herausragenden Arbeiten zu Menschenrechtsverletzungen im Iran. Mazrooie gilt als der vielleicht bekannteste Journalist des Iran, der über Menschenrechtsverletzungen berichtet.

Die ehemalige Tageszeitung Nooroz wurde im Juni 2002 verboten und besteht seither als online-Medium weiter (www.norooznews.org), dass von den iranischen Behörden gefiltert wird. Seit Mai 2007 ist der ehemalige Redakteur von Norooz, Hanif Mazrooie, dessen Chefredakteur. Mazrooie war der Journalist, der die geheimen und anonymen Beerdigungen von mutmaßlichen Demonstranten und Folteropfern auf dem Teheraner Hauptfriedhof recherchierte und als erster öffentlich machte.

Hanif Mazrooie übt die Tätigkeit des Chefredakteurs heute anonym aus. Norooz ist nach wie vor das wohl wichtigste persischsprachige Medium aus dem Iran zum Thema Menschenrechte. Im September 2009 veröffentlichten Journalisten von Norooz eine Liste mit 100 Namen von Personen, die bei den Demonstrationen nach der Präsidentschaftswahl vom 12. Juni 2009 oder anschließend in Gefängnissen getötet wurde. Die Liste enthielt neben den Namen und den Todesdaten auch viele weitere Details. Diese Liste und die Publikationen belegten, dass die Angaben der iranischen Regierung zu Todesopfern deutlich untertrieben sind.


Weitere Tätigkeiten

Mazrooie arbeitete außer für "Norooz" für mehrere andere Medien, die wegen ihrer reformorientierten Ausrichtung verboten wurden:


- "Seday-e Edalat", eine reformorientierte Tageszeitung, bis zum Verbot im Juli 2009. Die Zeitung hatte angeblich respektlos über Ayatollah Khomeini geschrieben und das System der Islamischen Republik infrage gestellt. 
- "Eghbal", eine reformorientierte Tageszeitung, bis die Zeitung im Juni 2005 verboten wurde; 
- "Vagha-ye-e Ettefaghieh", eine reformorientierte Tageszeitung, bis das Medium im Mai 2004 verboten wurde; 
- "Yas-e No",  eine reformorientierte Tageszeitung, bis zum Verbot der Zeitung  im Februar 2004; 
- "Salam", bis Oktober 1998. Die Zeitung war ein Schlüsselmedium der Reformbewegung und wurde daher im Juli 1999 verboten.

 

Hanif Mazrooie arbeitete darüber hinaus für reformorientierte Webseiten wie:


- "Rooz Online", seit Mai 2005 arbeitet er als freier Mitarbeiter für diese reformorientierte Webseite, die von den iranischen Behörden als "Anti-Regierungs-Medium" betrachtet wird. Aus diesem Grund sind mehrere von Mazrooies freiberuflichen Kollegen verhaftet worden. Die Seite wird im Iran gefiltert.

- Seit August 2002 ist er für die Webseite der reformistischen "Partizipations- Partei" verantwortlich, die im Iran ebenfalls gefiltert wird.

- "Rouydad": Von Juli 2002 bis Juni 2004 war er technischer Verantwortlicher und anschließend Chefredakteur bis August 2005. Diese reformorientierte Webseite wird ebenfalls von den iranischen Behörden gefiltert.



Wegen seiner Veröffentlichungen für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit im bekannten Internet-Medium "Rooydad" war Mazrooie von September bis November 2004 in Einzelhaft. Im wurden "Handlungen gegen die nationale Sicherheit", "Verwirrung der öffentlichen Meinung" und "Beleidigung von Heiligkeiten" vorgeworfen. Er wurde ohne Urteil 66 Tage gefangen gehalten. Während der gesamten Zeit wurde ihm jeder Kontakt zu einem Anwalt oder zu Familienangehörigen verweigert. In der Haft wurde Mazrooie psychisch und körperlich misshandelt und gefoltert. Unter der Folter wurde er unter anderem gezwungen falsche "Geständnisse" abzugeben.

Während der iranischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 war Mazrooie Mitglied von Mir-Hossein Mousavi's Wahlkampfteam und verantwortlich für das Informationskomitee "Khatami's Freunde, Mousavi?s Unterstützer".


Zu Person
Nach einer Vorladung durch ein Revolutionsgericht, lebte Hanif Mazrooie (geboren am 23. August 1979) seit Juni 2009 versteckt. Im August 2009 floh er wegen einer drohenden Verhaftung aus dem Iran in den Nordirak. Die IGFM Geschäftsstelle half ihm, den internationalen Flüchtlingsstatus des UNHCR zu erhalten. Mazrooie befindet sich derzeit in Europa.

 

 

 

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