Würdigung des Beitrags von Martin Zöller (Die Welt)
Laudatio von Reinhard Brockmann, Chefreporter Westfalen Blatt
IGFM-Medienpreis 2009
Berlin, 03. Dezember 2009
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Sehr geehrte Damen und Herren,
Martin Zöller, den es heute zu ehren gilt, gehört dem Netzwerk "weltreporter.net" an. Als einer von 38 meist freiberuflichen, deutschen Korrespondenten bietet er Berichte an. Zöller hat seinen Sitz in Rom. Von dort schreibt er für "Die Welt" und andere Medien. Seine Themen reichen vom Papst bis zur Mafia, von Lampedusa bis Südtirol, von großer Politik bis zu kleinen Dramen, oder er schreibt über Silvio Berlusconi, der für alles auf einmal steht. Zöllers Kollegen schreiben für ARD, Brigitte, Geo, Süddeutsche, Spiegel oder auch für Merian.
Die Weltreporter thronen nicht auf gut dotierten Korrespondentenposten öffentlich-rechtlicher Gebührenverwerter, sondern müssen hohe Qualität täglich neu bei mäßiger Honorierung anbieten. Sie müssen zuerst die Redaktion einer Zeitung mit journalistischem Qualitätsanspruch von ihrer Story überzeugen und dann auch noch deren Leser gewinnen.
Das ist Martin Zöller mit seinem Beitrag zur Lage der Menschenrechte im Iran gelungen. Mehr noch: Er hat auch die Jury der IGFM überzeugt. Das heißt: Die Schreibe stimmt und das Fachliche auch.
Der Artikel "Verurteilt mit erzwungenen Geständnissen" (Die Welt, 189/2009) beginnt mit einem kurzen Porträt des Österreichers Manfred Nowak, der als Sonderberichterstatter der UN "zu den schlimmsten Orten der Welt fährt, um über Folter in Gefängnissen zu berichten". Schon der Leadsatz zieht rein, wie Journalisten sagen: "Nowak macht eine Arbeit, mit der er sich ziemlich schnell unbeliebt machen kann."
Geschickt adelt der Autor seinen Kronzeugen mit dem Hinweis, dass Nowak 2006 mit Kritik an Guantánamo für Aufsehen sorgte, um dann die Fakten nur so prasseln zu lassen: Der UN-Experte befürchte im Iran erzwungene Geständnisse, spricht von 300 Fällen mit Folter und Missbrauch und kommt dann zu dem eigentlichen Gegenstand seines Berichts: Dem brutalsten alles Menschenschinder des Teheraner Regimes mit Namen Javad Azadeh. Wer Azadeh und die nach ihm benannte Javad-Methode nicht kennt, nach diesem Bericht von Martin Zöller wird ihn kein Leser mehr vergessen.
Dabei muss der Autor nicht einmal in blutige Details gehen (Qualitätszeitungen versuchen ohne solche Schilderungen auszukommen). Zöller reichen die Hinweise "Javad Azadehs Folter kenne keine Scheitern, er bekomme jedes Geständnis und "macht da weiter, wo andere aufhören". Im weiteren Verlauf stützt sich der Autor auf Informationen der italienischen Intellektuellenzeitung "Il Foglio", die ihrerseits über Details verfügt, die dem deutschen Lesepublikum kaum bekannt sind.
Zöller ist also nicht selbst in den Iran gereist, hat nicht Gefängnisse und Angehörige aufgesucht und auch nie persönlich mit dem Chef-Foltermeister gesprochen. Das alles ist nicht geschehen, weil es nicht möglich war. Wie Zöller selbst sagt: Folter-Recherche ist eine Arbeit, mit der man sich ziemlich schnell unbeliebt machen kann.
Andersherum: Zöller hat eine preiswürdige Arbeit vorgelegt, weil er über Vorgänge berichtet, von denen eigentlich niemand erfahren soll. Ginge es nach den Schindern und Unterdrückern dieser Welt, das Ausland würde kaum etwas davon mitbekommen. Der Text-Journalist ist nicht auf bewegte Bilder angewiesen, wie die TV-Kollegen, die während der Unruhen verwackelte Handy-Bilder und den ständigen Hinweis bringen mussten, ihre Korrespondenten unterlägen der Zensur.
Ein Bericht, wie der von Martin Zöller, kann nur vom Ausland aus geschrieben werden, aber viel zu wenige Berufskollegen haben das getan. Die wenigsten konnten ihre Redaktionen schon wenige Wochen nach den Unruhen und Festnahmen überzeugen, dass die Tragödie im Iran nicht zu Ende ist, sondern in den Knästen Achmadineschads eine dramatische Fortsetzung finden.
Martin Zöller ist dieses Preises würdig,
- weil er ein Weltreporter im besten Sinne ist,
- weil das Netzwerk Weltreporter.net neben anderen Auszeichnungen auch die Anerkennung durch die IGFM einmal verdient hat und
- weil der IGFM-Menschenrechtspreis auch den Autor unterstützt.
Mit dieser Auszeichnung könnte er künftig häufiger von wichtigen Medien mit Berichten in Sachen Menschenrechte beauftragt werden.
In dem Sinne, lieber Kollege, weiter so und herzlichen Glückwunsch.













